25 Jahre Mauerfall: Was hat sich für Frauen verändert?

Früher und heute: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

25 Jahre Mauerfall. Ein Viertel Jahrhundert hatte Deutschland nun Zeit, zusammenzuwachsen. Wir wollen mit einigen Schlaglichtern beleuchten, was sich seither verändert hat – vor allem für die Frauen. Wo lässt der Alltag noch immer ahnen, dass früher einmal zwei unterschiedliche politische und gesellschaftliche Systeme das Leben prägten? Und wo macht es inzwischen keinen Unterschied mehr, ob man hüben oder drüben lebt? Was hat sich getan seit der Zeit, als ein Teil des Landes bei 'Roxette' das Radio lauter stellte und der andere bei 'Rockhaus'?

25 Jahre Mauerfall: Was hat sich für Frauen verändert?
Was hat sich seit dem Mauerfall für die Frauenwelt geändert?

Von Ursula Willimsky

Schauen wir erst einmal nach oben: Dorthin, wo die viel zitierten Frauen in Führungspositionen zu Hause sind. Ganz an der Spitze sind da Leute wie Angela Merkel oder auch Johanna Wanka, die im Arbeiter- und Bauernstaat großwurden. Doch auch ein paar Etagen tiefer scheint die Ostluft eher frauenfördernd zu wirken: 30 Prozent der Chefsessel auf der ersten Führungsebene sind dort mit Frauen besetzt, auf der zweiten Ebene sogar 46 Prozent. Im Westen liegt der Anteil bis zu 10 Prozent darunter. Auch bei der Rente stehen die Ost-Frauen besser da: Sie bekommen im Schnitt 755 Euro. Im Westen werden nur 512 Euro überwiesen.

Das liegt unter anderem daran, dass Ost-Frauen schlichtweg länger für Geld gearbeitet haben. Immerhin lebten sie ja im Land der Vollbeschäftigung, während es bei ihren Kolleginnen im Westen eher Usus war, nach der Heirat oder dem ersten Kind zu Hause zu bleiben. Entsprechend schmaler fallen hier dann eben die Renten aus. Und befragt man, so wie es jüngst 'Infratest' tat, Ostdeutsche nach Vor- und Nachteilen der beiden Systeme, wird die ehemals größere Gleichberechtigung von Mann und Frau als großer Vorteil der DDR gesehen – von 69 Prozent der Bürger im Osten. Oder um es mit der ehemaligen Frauenministerin Christine Bergmann, einer Bürgerin der ehemaligen DDR, zu sagen: "Die Stimmung war so: Warum soll ich jemandem die Socken waschen, wenn er sich nicht beteiligt? Dann kann ich das mit meinen Kindern auch alleine hinkriegen. Die Kinderbetreuung war gesichert."

Ein flächendeckendes Versorgungsangebot für Kinder

Denn die propagierte Vollbeschäftigung war nur zu erreichen, wenn die Kinder ausreichend versorgt wurden. Die neuen Bundesländer, so formuliert es die Bundeszentrale für politische Bildung, starteten mit einem fast flächendeckenden Versorgungsangebot für Kinder im Kleinst- Klein- und Schulkindalter in die deutsche Einheit gestartet. Ein Angebot, "wie es für westdeutsche Verhältnisse unbekannt war" (aber es wird ja daran gearbeitet, auch im Westen). In diesem System sollten die Kinder auf die Einheitsschule vorbereitet werden, die allen eine Chance bot. Sofern sie nicht zu kritisch waren. "Na, mit dieser Einstellung kannst du dein Abitur vergessen", prophezeite ein Lehrer einem Mädchen, das sich im Schulunterreicht kritisch äußerte.

Tatsächlich wurde die Arzttochter trotz eines Notendurchschnitts von 1,2 nicht zum Abitur zugelassen – weil Arbeiterkinder den Kindern von "Intellektuellen" vorgezogen wurden, erzählte sie in einem Interview mit Frauenzimmer.de. Auch heute noch bestimmt in Gesamtdeutschland die Herkunft oft die schulische Biographie. Wobei von einer Bevorzugung des Arbeiterkindes vermutlich nicht mehr die Rede sein kann...

Blendet man allerdings ideologische Vorbehalte aus, bleibt ein Satz stehen: Die Erziehung der Kinder in staatlichen oder betrieblichen Krippen und Kindergärten war für die meisten DDR-Bürger selbstverständlich. Und das hallt offenbar bis heute nach: Im Westen glauben 63 Prozent der Bevölkerung, dass ein kleines Kind wahrscheinlich darunter leidet, wenn die Mutter arbeitet - im Osten sind es 36 Prozent. Dennoch leidet der Osten seit der Wiedervereinigung unter einem dramatischen Geburtenrückgang. Die Zahl der Familien ging in den neuen Ländern laut 'destatis' um 37 Prozent zurück.

In einem Punkt aber zogen schon vor mehr als 25 Jahren BRD und DDR nahezu gleich: Frauen stand mit 3,3 Stunden in der DDR und 3,6 Stunden in der BRD durchschnittlich etwa eine Stunde weniger freie Zeit pro Tag zur Verfügung als Männern, "was vor allem in der Ungleichverteilung der Hausarbeit begründet lag", so die Bundeszentrale für politische Bildung. Heute verbringt eine durchschnittliche bundesdeutsche Frau 3,52 Stunden mit Hausarbeit – ein Mann investiert in Spüle und Schrubber 2,21 Stunden. Manche Dinge brauchen wahrscheinlich noch mal ein Vierteljahrhundert, um sich zu ändern...

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