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24 Tage Freude schenken: So gelingt der Adventskalender

Schmucker Adventskalender
Ein schöner Adventskalender lässt sich auch mit einfachen Mitteln selber machen. Foto: Tesa © DPA

Besonders für Kinder gehört der Adventskalender oft zum Dezember. Auch viele Paare oder Freunde beschenken sich schon vor Weihnachten gegenseitig.

Ein Adventskalender ist ein ganz besonderes Geschenk: Schließlich wollen 24 Kläppchen liebevoll und persönlich gefüllt werden. "Mit dem Adventskalender lässt sich die dunkle Jahreszeit verschönern – und die Zeit bis Weihnachten versüßen", sagt Dana Urban von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Aber reicht es, einen Kalender zu kaufen? Oder sollte man lieber selber kreativ werden?

"Ein selbst gemachter Kalender ist immer charmanter, denn die Zeit, die man beim Selbstgestalten investiert, schenkt man gleich mit", sagt Kreativ-Designerin Martina Lammel von der DIY-Academy. Nicht immer heißt selbst gemacht auch kompliziert, meint Lammel: Eine Möglichkeit sei es, 24 Einmachgläser zu kaufen, die Deckel mit Nummern zu bekleben und mit einer Banderole oder einer Lichterkette zu schmücken. Ein Vorteil dabei: Die Gläser lassen sich im nächsten Jahr wieder verwenden.

Auch Briefumschläge, die an einer Schnur befestigt werden, könnten selbst bemalt oder beklebt einen liebevollen Kalender bilden, sagt Lammel. Eine Alternative ist eine einfache Holzpalette oder Kiste: An der Wand hängend und mit Zweigen oder einer Lichterkette geschmückt, lassen sich 24 Päckchen daran befestigen. Und so ein schöner Adventskalender sei auch ein passender Weihnachtsschmuck für das eigene Zuhause, sagt Lammel. "Ein Adventskalender sollte nicht zwischen Schlüsselbrett und Garderobe gequetscht werden." Besser sei es, ein Bild oder einen Spiegel für die Weihnachtszeit abzuhängen und den selbstgemachten Kalender dort zu platzieren.

Aber auch ein gekaufter Kalender kann viel Freude bereiten, meint bke-Expertin Urban. "Wer sich genau überlegt, worüber sich die jeweilige Person freut, kann auch mit einem gekauften Kalender ein persönliches Geschenk machen." Alternativ kann man einen leeren Adventskalender kaufen und ihn selbst befüllen.

Wer sich für eine Variante mit eigenem Inhalt entschieden hat, steht immer noch vor 24 Fragen: Was kommt hinein? Bei Kindern sollte der Inhalt in jedem Fall altersgerecht und angemessen sein, rät Urban. Wenn das Kind gern malt, können Eltern beispielsweise an einem Tag einen Pinsel und an einem anderen Tag eine besondere Farbe hinter den Türchen verstecken. Ist das Kind eher ein Auto-Fan, ist vielleicht ein Spielzeug-Auto passend. Zu groß sollten die Geschenke aber nicht ausfallen, meint Urban. "Man kann schon mit Kleinigkeiten große Freude bereiten." Ob Aufkleber, ein Abwaschbares Tattoo, Seifenblasen oder eine Knete – viele Spielzeugläden verkaufen Kleinigkeiten, die wenig kosten und platzsparend sind.

Denn: Weniger ist mehr, meint auch Psychologin Svenja Lüthge. "Jeden Tag ein richtiges Geschenk, das ist für Kinder einfach zu viel, und sie sind schon vor Weihnachten übersättigt", meint Lüthge. "Der Adventskalender soll die Zeit bis Weihnachten verkürzen, indem auf die Kinder morgens eine kleine Überraschung wartet." Aber die richtigen Herzenswünsche sollten lieber für Weihnachten aufgehoben werden. Um das richtige Maß zu wahren, können Eltern kleinere Geschenke und Süßigkeiten abwechseln: An einem Tag ein Stift oder ein Radiergummi, am nächsten Tag einen Mini-Schokoweihnachtsmann.

Alternativ lässt sich ein größeres Geschenk wie ein Lego-Set auf die 24 Tage verteilen. Als Highlight zwischendurch eignet sich zum Beispiel ein Gutschein für einen gemeinsamen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt, empfiehlt Lüthge.

Auch Urban meint: Für Kinder ist es besonders schön, wenn die kleinen Geschenke gemeinsame Zeit mit der Familie versprechen. Wer morgens ein Pixibuch im Kalender findet, kann sich schon auf das Vorlesen am Abend freuen. Sind immer wieder Ausstechförmchen hinter den Türchen, lässt das gemeinsame Backen bestimmt nicht lange auf sich warten.

Auch Erwachsenen versüßt ein Adventskalender die Vorweihnachtszeit: "Jeder wird gern überrascht, das gilt nicht nur für Kinder", sagt Urban. Ein Adventskalender mit 24 Überraschungen kann auch der Beziehung gut tun. "Am Anfang einer Beziehung überrascht man den Partner fast automatisch mit kleinen und großen Aufmerksamkeiten - das lässt im zunehmenden Routinestrudel leider oftmals nach." Vieles werde dann selbstverständlich.

Ein Adventskalender kann diese liebevolle Aufmerksamkeit wiederbeleben. "Wer dem Partner einen Adventskalender schenkt, hält inne und überlegt, was dem anderen Freude bereitet." Auch dabei gilt: Gemeinsame Zeit ist das schönste Geschenk, sagt Urban. Mit einem Gutschein für ein gemeinsamen Frühstück am Bett oder einer Massage am Abend lässt es sich leichter in einen dunklen Dezembertag starten. Auch kleine Liebesbotschaften hinter den Türchen bereiten viel Freude – ohne großen Aufwand. Dann bleibt auch genug Zeit für die nächste Herausforderung: Das passende Weihnachtsgeschenk.

Der Adventskalender - eine deutsche Tradition

24 Türchen bis Weihnachten - der Adventskalender gehört zur Vorweihnachtszeit wie Lichterglanz und Lebkuchen. Schon seit etwa 1850 gab es sogenannte Adventszeitmesser in Form von kleinen Abrisskalendern, Kreidestrichtafeln, Weihnachtsuhren oder markierten Kerzen, die jeden Tag eine kleines Stück herunterbrennen.

Um das Jahr 1902 brachte ein Münchner Verleger den ersten gedruckten Adventskalender auf den Markt - angeblich in Erinnerung an einen Familienbrauch: Seine Mutter hatte einst 24 Kekse an einem Karton befestigt, um dem Sohn die Zeit bis Weihnachten zu versüßen.

Zwei Jahre später sollen erste Zeitungen Adventskalender als Geschenk für die Leser ihren Blättern beigelegt haben. Die ersten Adventskalender mit Türchen zum Öffnen soll es um 1920 gegeben haben, die ersten mit Schokolade gefüllten Kalender Ende der 1950er Jahre.


dpa
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