12-Stämme-Aussteiger: "Ich hatte es satt, Kinder zu schlagen"

Robert Pleyer beschreibt in seinem Buch den Ausstieg aus der Sekte

20 Jahre lang war Robert Pleyer Mitglied der Sekte "12 Stämme". Das Buch des Aussteigers, "Der Satan schläft nie", erschien am ersten Oktober. Hier schildert der vierfache Familienvater die Methoden der Glaubensgemeinschaft - und wie er seinen Ausstieg schaffte.

"Der Satan schläft nie" von Sektenaussteiger Robert Pleyer
Robert Pleyer war 20 Jahre bei den 12 Stämmen und hat nun seine Erfahrungen in einem Buch festgehalten.

Die 12 Stämme sind eine fundamentale christliche Sekte. Ihre Mitglieder richten sich streng nach der Bibel und nach Geboten, die ihr Gründer Elbert Spriggs angeblich als Offenbarung von Gott empfangen hat. Die Sekte, die ursprünglich aus Amerika stammt und in vielen Ländern aktiv ist, verabscheut alles Moderne und schottet sich völlig von der Außenwelt ab. 2013 gelang es RTL-Reporter Wolfram Kunigk den brutalen Sektenalltag zu dokumentieren: Die Kinder der Anhänger werden systematisch geschlagen - wenn sie zum Beispiel in der Schule lachen oder reden, ohne sich vorher zu melden. Kinder wie Erwachsene müssen in der Sekte harte Arbeit verrichten und das ohne Lohn.

Im September 2013 wird den Eltern von rund 40 Kindern wegen Misshandlung vorläufig das Sorgerecht entzogen, die Schule der 12 Stämme wird geschlossen. Mittlerweile sind einige Jugendliche in ihre Glaubensgemeinschaft zurückgekehrt. Dass sie ihre Kinder schlagen, geben die 12 Stämme zu, dennoch gehen sie mittlerweile gegen das Jugendamt und RTL-Reporter Kunigk vor.

Robert Pleyer war 20 Jahre als Bäcker und Lehrer bei den 12 Stämmen tätig. Am 1. Oktober erschien sein Buch, in dem er über den Alltag bei der Sekte berichtet und darüber, wie ihm der Ausstieg gelang. Seine Frau, die Mutter seiner vier Kinder, lebt weiterhin mit den 12 Stämmen. Für Robert Pleyer ist all das Vergangenheit. Das Buch zu schreiben fiel ihm nicht leicht, denn dadurch kamen eine Menge unschöne Erinnerungen hoch. Pleyer hat immer noch Angst, dass die Sekte sich seine Kinder holen will. Der Überzeugung der 12 Stämme nach gehöre der Nachwuchs Gott und nicht dem Vater. Ihr Tun musste sich stets auf Gott beziehen. Bereits den Kleinsten war es nicht erlaubt zu spielen und sie mussten bei Veranstaltungen teilweise stundenlang stillsitzen.

Robert Pleyer betreibt heute einen Imbiss. Mit seiner neuen Lebensgefährtin Diana und den Kindern möchte er ein ganz normales, liebevolles Leben führen - weit weg von den 12 Stämmen und dem, was er dort seinen Kindern angetan hat.

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