Mord an Mirco aus Stress? Olaf H.s Chef kommt zu Wort

19.09.11 11:04
Mirco Grefrath
 

Musste Mirco sterben, weil Olaf H. gestresst war?

Kindsmord aus beruflichem Stress? Mircos mutmaßlicher Mörder Olaf H. gab an, dass dies der Grund für seinen Ausraster gewesen sei. Im Zeugenstand vor dem Krefelder Landgericht bestritt H.s Chef am Freitag, ihn zu der Bluttat getrieben zu haben.

Der Vorgesetzte des mutmaßlichen Mörders des zehnjährigen Mirco hat im Prozess gegen Olaf H. vehement bestritten, Auslöser für den Mord an dem kleinen Mirco aus Grefrath gewesen zu sein. Er habe seinen Mitarbeiter am Tattag gar nicht gesprochen, geschweige denn "zusammengefaltet". Er sei am 3. September 2010 in London gewesen und habe "hundertprozentig nicht dienstlich telefoniert", sagte der 44-jährige Telekom-Manager im Zeugenstand aus. Er könne sich an den Tag sehr gut erinnern.

Ernstes Gespräch lange vor der Tat

Sein Verhalten war vom geständigen Angeklagten als Auslöser des Kindermordes genannt worden. Olaf H. hatte behauptet, den Mord unmittelbar nach einem Streitgespräch mit seinem Chef als Reaktion auf Druck und Stress im Beruf begangen zu haben.

Der Angeklagte hatte angegeben, der Chef habe von ihm trotz eines freien Tags einen aktuellen Bericht über ein Projekt eingefordert. Auf die Entgegnung, dass er sich um seine kranke Tochter kümmern müsse, habe der Chef gesagt: "Es ist mir scheißegal, was mit deiner blöden Tochter ist." Dieser Satz sei auch zu keinem anderen Zeitpunkt gefallen, sagte dagegen der Vorgesetzte: Er verlange grundsätzlich von Mitarbeitern keine Arbeit, wenn sie sich um kranke Angehörige kümmern müssten.

Es habe allerdings am 1. Juli 2010, also zwei Monate vor der Tat, ein ernstes Gespräch mit Olaf H. gegeben, für das er diesen nach München zitiert habe. "Der Olaf" habe seine Berichte vernachlässigt, und er habe ihm deutlich gesagt, dass er künftig aussagefähige Dokumentationen erwarte. Er habe ihm auch zu verstehen gegeben, dass sich der 'Workforce-Manager' andernfalls beruflich verändern müsse. Er habe schon den Eindruck gehabt, dass dieses Gespräch das Selbstbild von Olaf H. "zentral betroffen hat", sagte der Vorgesetzte.

Olaf H. hatte mehreren Arbeitskollegen zufolge vor der Tat beruflich unter erheblichem Druck gestanden. Bei gleich drei Projekten seien eher schlechte Ergebnisse mit seinem Namen in Verbindung gebracht worden, berichtete ein anderer Vorgesetzter von Olaf H. am Freitag.

Der zweite Vorgesetzte widersprach ebenfalls zentralen Aussagen des Angeklagten: Er könne sich nicht erinnern, dass dieser einmal wie behauptet aus Protest ein Treffen in München verlassen habe, weil er vor versammelter Mannschaft abgekanzelt worden sei. Auch traue er dem höheren Vorgesetzten persönliche Beleidigungen nicht zu.

Erneut meldete sich der Angeklagte zu Wort. Er bleibe bei seiner Darstellung. Er habe damals drei Jobs gleichzeitig gemacht: seinen alten Posten, der in der Führung von rund 100 Mitarbeitern bestand, die Einarbeitung in seine neue Stelle in Bonn und die Arbeit an einem Geheimprojekt, über das er noch nicht mal mit seiner Frau habe sprechen dürfen.

Der 46-Jährige hat die Tat zwar gestanden, sich bei seinen verschiedenen Versionen aber in Widersprüche verwickelt. Das Landgericht beendete am Freitag die Zeugenvernehmungen. Der Prozess soll am Freitag kommender Woche fortgesetzt werden.

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