NSU: Weiterer mutmaßlicher Helfer festgenommen

01.02.12 19:57
In Düsseldorf ist ein Verbündeter der Zwickauer Terror-Zelle festgenommen worden.
Bildquelle: dpa bildfunk
 

Hatte Carsten S. wirklich ein neues Leben begonnen?

Am Mittwochmorgen schlug die GSG 9 in Düsseldorf zu und verhaftete einen Verdächtigen, der dem Zwickauer Nazi-Trio nahestand und für die Zelle arbeitete.

Der 31-jährige Carsten S. soll den Mitgliedern der terroristischen Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) eine Schusswaffe und Munition verschafft haben. Der mutmaßliche Terrorhelfer sei dringend verdächtig, Beihilfe zu sechs vollendeten Morden und einem versuchten Mord geleistet zu haben.

Nach Erkenntnissen der Ermittler war der Beschuldigte in den Jahren 1999 und 2000 im rechtsextremistischen 'Thüringer Heimatschutz' aktiv. Er soll 2001 oder 2002 eine Waffe und Munition in Jena gekauft haben, die über Mittelsmänner zu den NSU-Mitgliedern gebracht wurden.

Carsten S. präsentierte sich kürzlich als Aussteiger aus der Szene

Angesichts seiner engen persönlichen und ideologischen Verbindung zu den mutmaßlichen Terroristen soll er es billigend in Kauf genommen haben, dass die Schusswaffe für rechtsextremistische Morde verwendet werden könnte. Bislang ist allerdings ungeklärt, ob die Waffe tatsächlich für terroristische Straftaten eingesetzt worden ist.

Carsten S. hatte sich in der vergangenen Woche über seinen Anwalt an die Presse gewandt. Er sei im Jahre 2000 aus der rechten Szene ausgestiegen, heißt es in der Erklärung. "Seitdem habe ich mich davon distanziert und verabscheue jegliche Art von rechtem, rassistischem und extremistischem Gedankengut. Auch hatte ich nach 2000 keinen Kontakt mehr zur rechten Szene."

S. studierte Sozialpädagogik an der Fachhochschule, arbeitete als Berater im sozialen Bereich für gemeinnützige Organisationen und Einrichtungen. Auf Fotos im Internet lächelt er mit Jugendlichen in einem Jugendzentrum um die Wette. Bis zu seiner Festnahme arbeitete er in einem eher alternativen Milieu mit Homosexuellen.

In seinem Umfeld reagierte man geschockt: "Das ist ein toller Mensch, ein super Mitarbeiter", sagt die Leiterin des Jugendzentrums, in dem er acht Stunden die Woche arbeitete. "Ich glaube das erst, wenn ein Richter das bestätigt hat." Auch bei seinem Haupt-Arbeitgeber, einer Hilfseinrichtung, hieß es: "Ein ganz toller Mitarbeiter."

Doch die Bundesanwaltschaft sieht dies anders. Bis 2003 habe Carsten S. Kontakte in rechtsradikale Kreise unterhalten. Zeitweilig soll er der Einzige aus dem rechtsextremistischen Umfeld des NSU gewesen sein, der unmittelbaren Kontakt zur Zwickauer Zelle hatte. Er soll noch am Mittwoch dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden.

S. habe die Gruppe in der Zeit ihres Abtauchens 1998 finanziell unterstützt, erklärte die Bundesanwaltschaft weiter. Zeitweilig sei er der Einzige aus dem rechtsextrem Umfeld des NSU gewesen, der Kontakt zu dem Trio gehabt habe. Außer S. sitzen noch vier weitere mutmaßliche Unterstützer der Gruppe in Untersuchungshaft. Darunter ist auch der ehemalige Landesvorsitzende und Pressesprecher der NPD Thüringen, Ralf W., dem wegen der Beschaffung der Waffe ebenfalls Beihilfe zum Mord vorgeworfen wird.

Das Neonazi-Trio soll für die Morde an neun Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft sowie an einer Polizistin in Heilbronn 2007 verantwortlich sein. Auch zwei Bombenattentate in Köln 2001 und 2007 und mehrere Banküberfälle sollen auf ihr Konto gehen. Die mutmaßlichen Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten sich Anfang November selbst getötet. Die einzige Überlebende des Trios, die 37-jährige Beate Zschäpe, sitzt in Untersuchungshaft. Außerdem befinden sich neben Carsten S. vier weitere mutmaßliche Unterstützer des Trios in Untersuchungshaft.

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